Inspiratorischer Stridor spricht für eine relevante Einengung der extrathorakalen Atemwege. Bei kleinen Kindern genügt aufgrund des geringen Atemwegsdurchmessers schon wenig zusätzliche Schleimhautschwellung, um den Widerstand deutlich zu steigern. Unruhe und Weinen erhöhen den Atemflussbedarf und können die Situation zusätzlich verschärfen.
Pseudokrupp ist häufig, aber nicht jede stridoröse Atmung ist harmlos. Plötzlicher Beginn beim Essen, Speichelfluss, ausgeprägte Schluckstörung, toxischer Gesamteindruck oder eine rasch progrediente Symptomatik lenken den Verdacht auf andere Ursachen, etwa Fremdkörper, Epiglottitis oder Anaphylaxie. Eine möglichst stressarme Untersuchung schützt die verbleibende Atemwegsreserve.
Ein inspiratorischer Stridor spricht für eine relevante Verengung der oberen Atemwege, ist aber keine Diagnose. Virale Laryngotracheitis ist häufig; Fremdkörper, Epiglottitis, bakterielle Tracheitis und allergische Schwellungen müssen differenzialdiagnostisch bedacht werden.
Praxisrelevante Einordnung: Agitation und Manipulation am Rachen können die Situation bei kritischer Obstruktion verschlechtern. Die klinische Gesamtsituation, Sprech- beziehungsweise Schreifähigkeit, Speichelfluss und Erschöpfungszeichen sind wichtiger als die Lautstärke des Stridors allein.
Offizielle Grundlage: Hessenalgorithmen V 4.2, Teil 1, K7; UAG 3 (ÄLRD) der hessischen Expertengruppe zum NotSanG (HMfG). Für Handlungsabläufe, Dosierungen und Entscheidungsgrenzen ist die Originalgrafik maßgeblich.
Die hier bereitgestellten Inhalte dienen als Lehr- und Prüfungsinhalt für die Notfallsanitäter-Ausbildung an den hessischen Rettungsdienstschulen - sogennante "Hessen Algorithmen" - und berufen sich auf die "Algorithmen zur Notfallversorgung" der UAG (ÄLRD) der AG 3 Expertengruppe zum NotSanG des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Die Inhalte werden durch SOP-EASY kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Angaben sind jedoch ohne Gewähr.
Bei jedem Algorithmus wird die Durchführung der Basismaßnahmen nach dem ABCDE-Schema vorausgesetzt – bei hier
besonders zu beachtenden Punkten wird zusätzlich darauf hingewiesen. Bezüglich der notwendigen Nachforderung des Notarztes sind die lokalen Vorgaben des Rettungsdienstträgers zu beachten.
Die Inhalte bilden den durch Diskussion erreichten Konsens eines Expertengremiums ab, welches sich durchaus bewusst ist, dass nicht alle Aspekte berücksichtigt werden können, da zu demselben Krankheitsbild teils unterschiedliche Leitlinien und Therapieempfehlungen der verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen vorliegen. Durch routinemäßige Überprüfung in der Regel alle 2 Jahre und bei besonderem Bedarf unterliegen diese Algorithmen einem fortlaufenden Prozess der inhaltlichen Weiterentwicklung.
Quelle: UAG 3 (ÄLRD) der hess. Expertengruppe zum NotSanG (HMfG)