Bei der Übergabe wechselt nicht nur die Zuständigkeit, sondern auch das mentale Modell des Behandlungsteams. Unstrukturierte Erzählungen erhöhen das Risiko, dass kritische Befunde, zeitliche Entwicklungen oder bereits erfolgte Interventionen untergehen. Eine standardisierte Reihenfolge entlastet das Arbeitsgedächtnis und macht Informationen vergleichbarer.
Besonders wichtig ist die Trennung zwischen beobachteten Fakten, Verdachtsdiagnose und offenen Risiken. Eine Übergabe sollte deshalb nicht bloß Werte aufzählen, sondern den Verlauf und die klinische Einschätzung vermitteln. Rückfragen und eine explizite Bestätigung kritischer Informationen reduzieren Missverständnisse, vor allem bei Lärm, Zeitdruck und parallelen Tätigkeiten.
Informationsverlust an Schnittstellen zählt zu den vermeidbaren Risiken der Patientenversorgung. Strukturierte Übergabeformate helfen, relevante Befunde, Veränderungen und offene Aufgaben nicht im freien Erzählen zu verlieren.
Praxisrelevante Einordnung: Besonders wichtig sind zeitkritische Informationen, Trends statt Einzelwerte, bereits erfolgte Maßnahmen mit Wirkung und die klare Benennung noch offener Probleme. Rückfragen und Bestätigung des Empfangenden machen aus einer Mitteilung eine tatsächlich abgeschlossene Übergabe.
Weiterführende Fachliteratur:
[1] AHRQ – TeamSTEPPS Kommunikationswerkzeuge
Abgerufen: 09.10.2026.
Offizielle Grundlage: Hessenalgorithmen V 4.2, Teil 1, V2; UAG 3 (ÄLRD) der hessischen Expertengruppe zum NotSanG (HMfG). Für Handlungsabläufe, Dosierungen und Entscheidungsgrenzen ist die Originalgrafik maßgeblich.
Die hier bereitgestellten Inhalte dienen als Lehr- und Prüfungsinhalt für die Notfallsanitäter-Ausbildung an den hessischen Rettungsdienstschulen - sogennante "Hessen Algorithmen" - und berufen sich auf die "Algorithmen zur Notfallversorgung" der UAG (ÄLRD) der AG 3 Expertengruppe zum NotSanG des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Die Inhalte werden durch SOP-EASY kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Angaben sind jedoch ohne Gewähr.
Bei jedem Algorithmus wird die Durchführung der Basismaßnahmen nach dem ABCDE-Schema vorausgesetzt – bei hier
besonders zu beachtenden Punkten wird zusätzlich darauf hingewiesen. Bezüglich der notwendigen Nachforderung des Notarztes sind die lokalen Vorgaben des Rettungsdienstträgers zu beachten.
Die Inhalte bilden den durch Diskussion erreichten Konsens eines Expertengremiums ab, welches sich durchaus bewusst ist, dass nicht alle Aspekte berücksichtigt werden können, da zu demselben Krankheitsbild teils unterschiedliche Leitlinien und Therapieempfehlungen der verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen vorliegen. Durch routinemäßige Überprüfung in der Regel alle 2 Jahre und bei besonderem Bedarf unterliegen diese Algorithmen einem fortlaufenden Prozess der inhaltlichen Weiterentwicklung.
Quelle: UAG 3 (ÄLRD) der hess. Expertengruppe zum NotSanG (HMfG)