Bei Asthma dominiert eine variable, häufig entzündlich bedingte Bronchokonstriktion; bei COPD kommen chronische Veränderungen kleiner Atemwege und ein Verlust elastischer Rückstellkräfte hinzu. Beides verlängert die Exspiration. Bei schwerer Obstruktion entsteht durch unvollständiges Ausatmen eine dynamische Überblähung, die Atemarbeit und intrathorakalen Druck erhöht.
Ein leiser Thorax ist nicht automatisch ein gutes Zeichen: Bei sehr geringer Ventilation können die zuvor hörbaren Giemgeräusche verschwinden. Erschöpfung, abnehmende Vigilanz und zunehmende Atemarbeit sind deshalb klinisch besonders relevant. Herzinsuffizienz, Anaphylaxie, Pneumothorax und Fremdkörperaspiration gehören zur Differenzialdiagnose akuter Luftnot.
Bei Asthma und COPD steigt durch verengte Atemwege vor allem der exspiratorische Strömungswiderstand. Unvollständige Ausatmung kann zu dynamischer Überblähung und erhöhter Atemarbeit führen.
Praxisrelevante Einordnung: Ein leiser werdendes Atemgeräusch ist bei schwerer Obstruktion nicht zwangsläufig eine Besserung: Es kann Ausdruck stark reduzierter Ventilation sein. Erschöpfung, Vigilanzveränderung und unzureichende Atembewegungen sind besonders kritisch. Pneumonie, kardiales Lungenödem und Anaphylaxie können ähnlich imponieren.
Offizielle Grundlage: Hessenalgorithmen V 4.2, Teil 1, K5; UAG 3 (ÄLRD) der hessischen Expertengruppe zum NotSanG (HMfG). Für Handlungsabläufe, Dosierungen und Entscheidungsgrenzen ist die Originalgrafik maßgeblich.
Die hier bereitgestellten Inhalte dienen als Lehr- und Prüfungsinhalt für die Notfallsanitäter-Ausbildung an den hessischen Rettungsdienstschulen - sogennante "Hessen Algorithmen" - und berufen sich auf die "Algorithmen zur Notfallversorgung" der UAG (ÄLRD) der AG 3 Expertengruppe zum NotSanG des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Die Inhalte werden durch SOP-EASY kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Angaben sind jedoch ohne Gewähr.
Bei jedem Algorithmus wird die Durchführung der Basismaßnahmen nach dem ABCDE-Schema vorausgesetzt – bei hier
besonders zu beachtenden Punkten wird zusätzlich darauf hingewiesen. Bezüglich der notwendigen Nachforderung des Notarztes sind die lokalen Vorgaben des Rettungsdienstträgers zu beachten.
Die Inhalte bilden den durch Diskussion erreichten Konsens eines Expertengremiums ab, welches sich durchaus bewusst ist, dass nicht alle Aspekte berücksichtigt werden können, da zu demselben Krankheitsbild teils unterschiedliche Leitlinien und Therapieempfehlungen der verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen vorliegen. Durch routinemäßige Überprüfung in der Regel alle 2 Jahre und bei besonderem Bedarf unterliegen diese Algorithmen einem fortlaufenden Prozess der inhaltlichen Weiterentwicklung.
Quelle: UAG 3 (ÄLRD) der hess. Expertengruppe zum NotSanG (HMfG)